"Wir helfen"

Lernen durch Engagement  - Ein neues Fach in der GGS-Strand ?

Lernen durch Engagement (LdE) heißt, gesellschaftliches Engagement von Schülerinnen und Schülern mit fachlichem Lernen zu verbinden. LdE ist kein neues Fach an Schulen, sondern ein innovativer und inklusiver Ansatz zur Stärkung des zivilgesellschaftlichen Engagements, der demokratischen Verantwortungsübernahme und der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen und damit ein Schlüssel, um den Herausforderungen unserer komplexen Welt begegnen zu können. Gefördert wird dadurch vor allem das soziale Engagement der Schülerinnen und Schüler. Dabei können die Themen, die bewusst von den Schülerinnen und Schülern ausgewählt werden sollen, ganz unterschiedlich sein. Die SuS setzen sich dabei für das Gemeinwohl ein, übernehmen Verantwortung und tun etwas für andere Menschen und für die Gesellschaft. Das Engagement der Schülerinnen und Schüler wird im Unterricht gemeinsam geplant, reflektiert und mit Inhalten der Fachanforderungen verknüpft.

Schülerinnen und Schüler der GGS engagieren sich im Rahmen des LdE - Unterrichts (Lernen durch Engagement) für Obdachlose und gegen die Zerstörung des Regenwaldes in Indonesien. 

3a - Der Regenwaldraum

Die Klasse 3a richtete einen Regenwaldraum ein, in dem auf die Zerstörung des Lebensraumes der Orang-Utans in Indonesien durch den Anbau von Palmölplantagen aufmerksam gemacht wird.

Auch wurde das eigene Konsumverhalten bezüglich der  Palmölprodukte reflektiert. 

Im Regenwaldraum halten die Kinder der Klasse 3a als Experten zu diesem Thema Referate vor unterschiedlichem Publikum.

"Projekt 21" der Klasse 7b 

Die Klasse 7b setzte im Schuljahr 2021/22 im Rahmen des LdE-Unterrichts ein besonderes Projekt um. Die Schülerinnen und Schüler einigten sich im Klassenrat darauf, Obdachlosen helfen zu wollen, die mit Ihren Tieren auf der Straße leben und somit keine Möglichkeit haben, bei schlechtem Wetter in einer Unterkunft für Obdachlose unterzukommen. Durch den Verkauf von warmen Getränken in der Pause wurden Spendengelder in Höhe von 450 Euro gesammelt und zusätzlich Sachspenden angenommen, die dann an das Café W.u.T. in Lübeck übergeben wurden. 

Während der Vorhabentage an der GGS-Strand konnten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit dem Thema "Obdachlosigkeit" beschäftigen, weitere Ideen entwickeln und umsetzen.

Fragestellungen der Schülerinnen und Schüler waren dabei:

  • Was bedeutet Obdachlosigkeit?
  • Gründe für Obdachlosigkeit 
  • Alltag eines Obdachlosen
  • Obdachlosigkeit in Zahlen
  • Wo bekommt man Hilfe?
  • Begriffe für Obdachlose
  • Vorurteile gegenüber Obdachlosen

Die Schülerinnen und Schüler erstellten zu den Fragen Plakate, die vor allem der Aufklärung dienen und mit Vorurteilen Obdachlosen gegenüber aufräumen sollten. Außerdem wurden Flyer erstellt, gedruckt und in den Klassen verteilt, um auf die Spendenaktion aufmerksam zu machen.  

Wer bekommt das Spendengeld und die Sachspenden?

Im Internet suchten die Schülerinnen und Schüler nach möglichen außerschulischen Projektpartnern, die sich um Obdachlose in und um Lübeck kümmern. 

Durch die Mutter eines Schülers wurde dann der Kontakt zum Café W.u.T. in Lübeck hergestellt, an das nun die Sachspenden und Spendengelder weitergeleitet werden. 

Das Café W.u.T. ist eine Begegnungsstätte für Menschen mit sozialen Defiziten, aber auch für sozial engagierte Mitbürger. Die Gäste setzen sich aus den unterschiedlichen Gesellschaftsschichten zusammen.

Im Café wird täglich ein warmes Mittagessen serviert, Sachspenden und vor allem soziale Wärme verteilt.

Zum Abschluss des Projektes durften einige Schülerinnen und Schüler Max kennenlernen. Max ist ein ehemaliger Obdachloser, der einige Jahre auf der Straße gelebt hat. Im Café W.u.T. hat er die nötige Hilfe erhalten, um wieder auf eigenen Beinen stehen zu können. In einem Interview hat er den Schülerinnen und Schülern seine bewegende Geschichte erzählt. 

Interview mit Max am 01.03.2021

  • Wie alt bist du? Ich bin 42 Jahre alt.
  • Wo bist du geboren? Ich bin in Lübeck geboren 
  • Was hast du mal gelernt und was arbeitest du heute? Ich habe als Kaufmann gearbeitet, jetzt helfe ich anderen Obdachlosen, ich bin ein Sozialarbeiter. 
  • Wie bist du auf der Straße gelandet? Ich bin wegen meiner Scheidung und dem Tod meines Vaters auf der Straße gelandet. Besonders die Trennung von meinem Kind hat mich aus der Bahn geworfen. 
  • Wie/Womit hast du deine Zeit auf der Straße verbracht? Ich habe die Zeit damit verbracht, mich selbst zu berauschen. 
  • Wer hat dir geholfen? Das Café W.U.T und mein Hund haben mir geholfen. 
  • Hattest du einen Tiefpunkt? Der Tiefpunkt war die Obdachlosigkeit.
  • Hast du Regeln gebrochen? Ja, ich habe alle möglichen Regeln gebrochen, außer Mord.  
  • Gab es gefährliche Momente? Es gab sehr sehr viele gefährliche Momente. 
  • Gab es einen besonders schönen Moment, an den du dich erinnerst? 
  • Der schönste Moment war die Geburt meiner Tochter.
  • Wie hast du zurück ins "normale" Leben gefunden? Durch die Hilfe und die Wertschätzung der Mitarbeiter des Café W.U.T habe ich wieder halbwegs ins normale Leben gefunden. 
  • Warum hast du nie aufgegeben? Ich habe für meine Tochter und meinen Hund gekämpft.
  • Wie sehen deine Zukunftspläne aus? Ich möchte ein normales Leben führen, in einer Wohnung leben, Kinder haben und einen Arbeitsplatz bis zur Rente haben. 
  • Welche Probleme hast du jetzt noch? Mein Problem ist es, eine Wohnung für mich und den Hund zu finden, ich habe aber jetzt ein Angebot bekommen. 
  • Lieblingsessen? Mein Lieblingsessen ist Gulasch. 
  • Lieblingstier? Mein Lieblingstier ist mein Hund. 
  • Wie stand deine Familie zu dir? Leider hat mich meine Familie gar nicht unterstützt.
  • Wenn du die Uhr zurück drehen könntest, was würdest du anders machen? Ich würde keine Gewalt anwenden und keine Drogen nehmen. 

Das Interview führten Nike, Ceciel, Jette und Roksana

Wie geht es weiter?

Natürlich geht das Projekt "Hilfe für „Obdachlose" und die Unterstützung für das Café W.u.T. weiter. Ob im nächsten Jahr wieder Getränke verkauft oder eine ganz andere Idee umgesetzt wird, entscheiden die Schülerinnen und Schüler dann wieder gemeinsam. Soziales Engagement sollte für alle Menschen selbstverständlich sein und vielleicht tragen wir mit unserem Projekt etwas dazu bei.

 


Regenwaldraum